Tag Archiv für Deutschland

Neues aus Digitalistan

Computer historisch„Das hier ist wirklich sagenhaft, das ist ein MP3-Player. Da kann man bis zu zwei Stunden Musik drauf speichern!“ Die Technikfans ahnten, da bahnt sich eine spannende Neuerung an, die Wolfang Back und Wolfgang Rudolph da gerade im Sommer 1999 präsentieren. Wo? Natürlich in der Fernsehsendung für alle Technikbegeisterten, dem Computerclub.

Von 1981 bis 2003 erklärten die beiden Computerspezialisten Fernsehdeutschland, wie man ins Internet kommt, was eine Maus ist, wie man eigene Software herstellt oder was eigentlich dieses neue Betriebssystem namens Windows 95 alles kann. BTX war eines der ersten, großen Themen, sie interviewten den Erfinder des Computers, Konrad Zuse, übertrugen über das TV-Signal kleine Softwareprogramme und schnüffelten die ganz großen Entwicklungen auf („Ich glaube, das ist der neue Trend, jeder kann heute Grafik!„). Bis dann 2003 Schluss war. Doch auch 10 Jahre nach der letzten Sendung im WDR lebt der Computerclub weiter.

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Talk zwischen Herd und Kühlschrank

Küche (aber vermutlich nicht in Berlin)

Was zunächst klingt wie die besten Kochrezepte der 70er, 80er und 90er ist in Wirklichkeit viel besser. Denn wenn ein Podcast in der schnelllebigen Internetwelt bereits rund acht Jahre on the line ist, dann müssen die Leute die dahinterstehen irgendwas richtig gemacht haben (oder einfach nur einen enormen Durchhaltewillen haben – die Küchenradiomenschen haben aber tatsächlich eine Menge richtig gemacht).

Die zum Küchenradio dazugehörige Küche steht in Prenzlauer Berg und gehört Philip Banse, seines Zeichen Journalist und u.a. für dctp.tv und das Deutschlandradio Kultur tätig. Entsprechend professionell die Herangehensweise an die Geschichten und Themen des Küchenradios – aber lockerer als im seriösen Radio oder Internet. Im heimeligen Podcast nehmen sich die Radiomacher die Zeit, die sie zum Geschichtenerzählen brauchen. So kann eine Ausgabe auch schon einmal fast zwei Stunden dauern.

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Podcast mit Popcorn

Kinocast

Wer ins Kino geht, weiß ungefähr was ihn erwartet. Schließlich entscheidet man sich bereits beim Kauf der Eintrittkarte entweder für die billige, deutsche, gefühlsduselige Liebeskomödie, den amerikanischen Actionkracher mit Scientology-Beteiligung oder eine cineastische Granate aus Frankreich – natürlich in Originalfassung und ohne Untertitel.

Bei einer „Sneak“-Vorstellung ist das anders. Die Verrückten, die sich eine Karte für eine Sneak kaufen, wissen nicht, für was sie ihr Geld ausgeben, es ist gewissermaßen eine Überraschungsvorstellung und die Besucher erfahren erst mit dem Beginn des Films, worauf sie sich eingelassen haben.

Seit über sieben Jahren ist das Team des Kinocast fast regelmäßig zu Gast in einer Sneak-Vorstellung im Raum Stuttgart. Und daraus ergibt sich dann auch so gut wie jedes Mal ein Podcast, der meist direkt im Foyer des Lichtspielhauses aufgenommen wird. Dadurch ergeben sich besonders interessante Filmkritiken, da die Kritiker (Eric, Alex und Kollegen) vollkommen unvorbereitet von der Kinoproduktion getroffen werden und gleich unmittelbar danach Stellung nehmen. Weiterlesen

Kuhwelle Saar

Kühe (Muh!)

Das Saarland, das inzwischen ja wieder Teil der Bundesrepublik ist, ist für den Radiofreund und Medieninteressierten schon seit langem ein interessantes Fleckchen Erde. Mitte der 1960er Jahre entstand im Halberg-Funkhaus in Saarbrücken die legendäre Europawelle Saar, die über Mittelwelle nicht nur das Saarland, sondern weite Teile Deutschlands und Europas mit flockigem Programm entzückte. Und auch sonst ist das freundliche Land an der Saar eine interessante Region für Medienhistoriker, schließlich beherbergt man in Felsberg-Berus den stärksten Radiosender Deutschlands (und einen der stärksten Europas), nämlich Europe 1, das zu den französischen Freunden hinübersendet (auf Langwelle – ja, das gibt es auch noch).

Doch das ist nur Geschichte. Heute, im hier und jetzt, dominieren die zerebralen Implosionen von Fernsehproduktionsredakteursgehilfen viele Sendestrecken von privaten Programmveranstaltern und mit retardierten Off-Stimmen versehene Tiergartendokumentationen den Vor- und Nachmittag bei der einen oder anderen öffentlich-rechtlichen Anstalt. Hinzu kommen Symptome wie peinliche Spartenkanäle. Gibt es da niemanden, der uns durch diese grausame, ja so degoutante Fernsehwelt führt und uns Konsumenten gewissermaßen einen Pfad durch den Mediendschungel trampeln kann?

Nein, leider nicht. Aber eine KuH, die uns pro Woche einen gehörigen Fladen vor die Tür setzt.

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Wortprogramm 2.0

Relive Radio

Das Konzept des Ende 2012 gegründeten ReliveRadio ist denkbar simpel: Rund um die Uhr wird im Livestream unter www.reliveradio.de eine Auswahl von Podcasts aus dem deutschen Sprachraum präsentiert. Dank Kooperationen mit zahlreichen, meist privaten, nicht-kommerziellen Produzenten ergibt sich so 24 Stunden am Tag ein buntes Wortradio mit Beiträgen aus den verschiedensten Themenbereichen. ReliveRadio, das gewissermaßen als Abspielstation fungiert, ist also eine einfache Möglichkeit, nebenbei neue und unbekannte Podcasts zu entdecken. Für Hörer mit langsamer Internetanbindung oder solche, die gerne auf ihrem Smartphone im Auto zuhören möchten, wird neben einem 128kbps-Stream in hoher Qualität auch noch eine Version mit niedrigerer Übertragungsrate angeboten. Austauschen können sich Hörer und Macher via Chat oder Twitter. Von Podcast zu Podcast variiert dabei das Programmformat. Von Ratgebersendungen wie dem „Hobbykoch Podcast“, dem „KinoPod“, Sendungen für IT-Freaks („Radio Tux“) bis hin zu kleinen Personality-Shows, in denen über wechselnde Themen geplaudert wird, ist alles dabei. Einstellen muss man sich jedoch auch auf eine unterschiedliche technische Qualität der einzelnen Sendungen. Da es sich jedoch vornehmlich um Hobbyprogramme handelt und diese Unterschiedlichkeit irgendwie zur gesamten Podcast-Szene gehört, sollte man in die meisten Programme zumindest einmal hereinhören oder sich einfach von der Playlist berieseln lassen und durch das Pod-Universum reisen. Weiterlesen