Popland Island

Sonnenuntergang in Island. Foto: Radio-Kurier

Jetzt, wo es plötzlich doch noch Winter in unseren Breitengraden wird, ist es an der Zeit, uns akustische Expertise aus einem Land zu holen, das weiß, wie es ist, Ewigkeiten in viel zu dunklen Winterabenden zu verbringen. Und der Rundfunksender dieses Landes kann mit möglichst fröhlicher und anregender Popmusik dazu beitragen, dass eben diese düsteren Tage ein wahres Fest für die Ohrmuscheln der geneigten Hörer werden.

Rás 2 ist die Popwelle des Ríkisútvarpið, die auf UKW im ganzen Land zu hören ist. Der Begriff „Popwelle“ ist in diesem Falle aber unbedingt nicht mit den „Popwellen“ aus dem deutschsprachigen Raum gleichzusetzen. Auf der Atlantikinsel hat man sich nämlich der etwas unbekannteren Popmusik verschrieben, man klingt viel mehr nach Indie, also nach der Musik der Bands die noch kein riesiges Plattenlabel im Rücken haben und auch nicht dem Mainstreamklang nacheifern wollen. Hinzu kommt dann natürlich noch die äußerst vitale, regionale isländische Musikszene, die in Vielfalt und Qualität der von so manch anderen skandinavischen Ländern in nichts nachsteht.

Das Herz von Rás 2 hingegen ist die Sendung „Poppland“, jeden Werktag von 13.45-17.00 Uhr deutscher Zeit. „Poppland“ klingt so locker, wie das Leben auf Island zu sein scheint (wenn nicht gerade eine Finanzkrise über die Insel walzt oder sich der Himmel vulkanbedingt verdunkelt). Die Musik ist bodenständig, nie laut, nervig oder zu schrammelig. Wenn es doch mal rockigere Klänge gibt, dann wird man etwas später mit handverlesenem Indie-Folk wieder auf einen niedrigeren Puls gebracht. Besonders bemerkenswert: Nicht selten verzichtet man in den Moderationen auf jegliche Verpackungselemente, d.h. es gibt keine Musikuntermalung während jemand spricht und keine Soundeffekte. Nur ab und zu tönen die gesungenen Jingles, die irgendwie aus der Zeit gefallen scheinen (und gerade deshalb so schön sind).

Das Team der Sendung besteht vor dem Mikro aus drei Personen, zwei Herren und eine Dame (und zusammen könnten sie auch genauso gut ein Szenecafé in Berlin-Kreuzberg leiten, jedenfalls ihrem Aussehen nach – machen sie aber zum Glück nicht).

In ihrer Radiosendung zeigt sich dann aber noch ein weiterer Unterschied zum Hörfunk aus Deutschland: Während auf den hiesigen Gute-Laune-Wellen fast immer alle Moderatoren die im Studio sind in jeder Moderation auch einmal etwas (Lustiges) gesagt haben müssen, sind manche der drei „Poppland“-Moderatoren auch für einige Minuten gar nicht zu hören. Sie kommen nur dann vors Mikrofon, wenn sie zu dem Song, dem Künstler oder dem Festival, was gerade beworben wird, auch wirklich etwas zu sagen haben. Manchmal hört man von ihnen aber auch einfach nur den isländischen Generalausdruck jáu, der Zustimmung und Verständnis signalisieren kann – oder auch einfach nur als Überbrückungsgeräusch genutzt wird. Bis dann isländische Musik wie diese einsetzt:

Soll heißen: Beim „Poppland“ wird nicht gehetzt, hier lässt man sich Zeit. Spielt auch mal bekanntere Popmusik oder seltener Oldies, aber nie so viel, als dass man als deutscher Hörer zu viel davon bekommen könnte. Was sich nur schwer beschreiben lässt, sollte man selbst hören – das geht entweder via Livestream oder auf der Homepage des Senders. Vollständig kann man den Geist dieser Sendung wohl nur erfassen, wenn man gleichzeitig auf die Hauptstadt Reykjavik oder einen öden Landstrich der Insel und auf ihr wechselhaftes Wetter blickt. (Das geht dann zum Beispiel unter www.livefromiceland.is.) Und kurioserweise ist das doch etwas fremd tönende Isländisch dabei überhaupt kein Hindernis.

(denn viele Songs sind ja auch auf Englisch.)

  • Rás 2 live gibt es hier, während man die Sendung zum Abruf unter www.ruv.is/poppland (siehe „Nýjustu upptökur“) findet.

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