Radio für erwachsene Erwachsene

Weserpromenade in Bremen

Sorry, falls diese Überschrift etwas anderes suggerieren sollte: Wir bleiben jugendfrei. Und keine Angst: Es soll auch nicht um einen Sender gehen, der in die Jahre gekommen wäre – oder der sich an Greise richtet. Es geht um’s Nordwestradio von Radio Bremen. Das ist eine kleine Perle in der Landschaft der deutschen Kulturradios. Hier wird, anders als bei manch anderen Sendern mit Kulturanspruch, der Fokus weniger auf Klassik, dafür aber besonders auf regionale Information, Service, Features, Reportagen und nicht zuletzt auch auf Blues und alternative Pop- und Rockmusik gelegt. Dynamisch und angenehm klang das schon immer.

Anfang Januar vollzog man einen Relaunch: Man stellte das Programmschema um, frischte die Musikauswahl auf und änderte die Jingles, also die akustische Verpackung des Nordwestradios, die zwar immer noch pfiffig wirkte, nach vielen Jahren der Benutzung aber dennoch eingestaubt war. Was dann aus dem Nordwestradio wurde, lässt sich in Ansätzen mit Radio Eins vergleichen, der coolen Welle des RBB, die an dieser Stelle bereits mehrfach lobend erwähnt wurde. Wie das Potsdamer Programm begannen nun auch die Bremer längere Magazinstrecken in ihr Programm zu hieven, etwa „Der gute Morgen“ in der Früh oder „Nordwestradio mit…“ am Tage. Zwischendrin gibt es keine abgesteckten Flächen für die Musik mehr – sondern sie kommt, wie in einer klassischen Popwelle, zwischen Beiträgen, Kolumnen, Kommentaren. Das ganze klingt vom Aufbau her schon sehr nach Radio Eins – und auch sonst gibt es Ähnlichkeiten, orderte man doch Radio Eins-Moderatorin Anja Goerz ins Funkhaus an der Weser.

Dennoch: Das Nordwestradio bleibt das Nordwestradio und ist kein zweites Radio Eins. Wo die Potsdamer am Abend Musiksondersendungen aus den verschiedensten Ecken der Indie-, Pop- und Rockkultur haben, bringen die Bremer neben ausgedehnten Features eher Jazz, eher Lounge, eher Weltmusik, manchmal gar Konzerte. Das passt zum Gesamteindruck: Radio Eins macht laut Slogan Programm „nur für Erwachsene“, das Nordwestradio bringt Musik für erwachsenere Erwachsene, ist ruhiger, weniger kantig, manchmal etwas entspannender, gelassener – und bleibt damit übrigens auch für alle Durchreisende auf der A7 eine entspannende Alternative. Zwar gibt es kleine Rubriken und Studiogespräche, die am Kulturanspruch zweifeln lassen (etwa zur modischen Ausstattung der deutschen Olympioniken), spätestens mit den „Nordwestradio Sounds“ wird jegliche Kritik wieder verstummen (werktags von 19.00 bis 21.00 Uhr Ortszeit, hier als Endlosschleife). Die Sendung versteht sich als „musikalischer Streifzug durch verschiedene Genres“ – und ist herrlich. Bekannte Pop-Formationen sind mit unbekannten B-Seiten-Titeln zu hören, Singer/Songwriter und Interpreten der Folkszene stehen in der Playlist. Eine Musikmischung wie diese würde man in den großen Metropolen dieser Welt erwarten, aber nicht im platten Nordwestdeutschland. Umso besser, dass sich das Programm alles andere als platt gibt.

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