Der Schatz der Inkas.

Radio Inca ScreenshotJingles sind seit Jahren aus der Radioszene nicht mehr wegzudenken: Die kurzen Stationskennungen, unterlegt mit Soundeffekten und Musikausschnitten, sollen den Hörer daran erinnern, welchen Sender er eingeschaltet hat und möglichst flockig und cool vom einen Lied zum nächsten leiten. Einhergehend mit der überregionalen Angleichung der Musikformate der Radiosender in Deutschland, Österreich und der Schweiz scheinen sich auch diese Jingles immer weniger zu unterscheiden, der Mainstream hat sogar diese Verpackungselemente erreicht. Wie erfrischend ist da doch ein Blick in ferne Länder, an denen die Entwicklungen im mitteleuropäischen Radio logischerweise vollkommen vorbeigegangen sind.

Dass sich die Radiowelt in Peru ganz anders als hierzulande anhört, bemerkt man sogar schon anhand dieser Jingles. Radio Inca aus Lima, einst ein seltener Gast auf der Kurzwellenskala (4762 kHz) und damals schon als durchgeknallter Sender unter den Radioenthusiasten bekannt, ist heute Teil eines großen peruanischen Medienunternehmens, sendet nur noch lokal auf Mittelwelle, betreibt aber einen Livestream, darf weiterhin als durchgeknallt deklariert werden und bietet dem gespannten Hörfunkenthusiasten gleich auch einen Einblick in die örtliche Jingleszene, in der gesungene Werbeslogans weiterhin hoch im Kurs stehen.

Wer auf der Homepage des Senders sich den „tesoro Inca“, den Schatz der Inkas, anhören möchte, bekommt nicht nur eine schöne, lokale Version von „El cóndor pasa“ auf die Ohren, sondern auch das Nonplusultra der südamerikanischen Stationskennungen entgegengepfeffert. Und im Programm geht das dann so weiter („I-I-I-Inca!“).

Die lateinamerikanische Radioszene scheint der letzte Zufluchtsort von überall auf der Welt sonst vernachlässigten Echo- und sonstigen Soundeffekten aus der Mottenkiste von Star Wars zu sein. Hier werden Jingles nicht so produziert, dass sie sich ideal ins Programm schmiegen, hier gilt der Merksatz „Desto lauter, desto häufiger, desto besser“. Und das gilt auch für das laufende, häufig dezent übersteuerte Programm. Die, nun ja, nennen wir sie mal temperamentvollen Moderatoren streuen die vorproduzierten, nervtötenden Stationsansagen mitten in die wunderbaren Andenschlager herein, ohne Rücksicht auf die akustische Ästhetik zu nehmen.

Radio Inca ist damit ein spannendes, obgleich auch nicht schmerzloses Hör-Erlebnis, das einen interessanten Eindruck in den Radioäther Perus bietet. So desaströs dieser Artikel klingen mag, so inflationär die Jingles auch mit gekonnter unprofessionalität ins Programm geworfen – der Sender gehört gehört. I-I-I-Inca!

 

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