Karibische Nachrichten im Minutentakt

Havana, CubaFür Urlauber ist Kuba ein beliebtes Reiseziel, für Journalisten hingegen keinesfalls. Während sich viele Inselbesucher in der Sonne aalen oder sich an Tanzkursen in Ferienanlagen erfreuen, können unabhängige Journalisten gar nicht oder nur im Untergrund aktiv werden. Medien außerhalb des Staatsapparats werden nicht geduldet – eine Tatsache die „Reporter ohne Grenzen“ mit dem 171. Rang im Index der Pressefreiheit honorierte.

Skurril, dass sich ausgerechnet das kubanische „Radio Reloj“ als einer der Vorreiter in der internationalen Medienwelt sieht. Nach Eigendarstellung handelt es sich bei „Radio Uhr“ um den ältesten Dauernachrichtensender der Welt. Zu bestreiten ist das vermutlich nicht, denn als am 1. Juli 1947 „Radio Reloj“ auf Sendung ging, war an die heute bei uns populären Infowellen wie B5-Aktuell oder NDR Info noch nicht zu denken.

Internationale Bekanntheit, auch bei vielen Radiofreaks, erlangte der Sender durch sein ungewöhnliches Präsentationskonzept: Jingles, O-Töne oder Musikeinlagen gibt es so gut wie gar nicht. Das Programm besteht aus nur zwei Moderatoren, die abwechselnd kurze Nachrichtenmeldungen vortragen. Im Hintergrund erlebt der Hörer das kontinuierliche Ticken einer Uhr und die regelmäßige Einblendung eines Zeit- und Morsezeichens zur vollen Minute. Das hat dem Sender übrigens einen kurzen Einsatz im Song „Me gustas tu“ von Manu Chao beschert (hier anhören, insb. 1:40).
Tatsächlich klingt Radio Reloj ein ganzes Stück anders als die uns bekannten Infowellen mit ihren Nachrichten im Viertelstundentakt.

Im (meist recht stabilen) Livestream kann Radio Reloj auch hierzulande gehört werden.
Und wenn die Glocken, die Zeitansage oder die Morsezeichen „RR“ gesendet werden, sind wieder sechzig Sekunden Nachrichten vorüber, sechzig Sekunden vom Platz 171 des World Press-Freedom-Index.

 

 

Ein Kommentar

  1. Michael sagt:

    wie frei die genannnte NGO ist müsste mann/frau erst noch vom NSA überprüfen lassen

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