Der Jürgen Domian der britischen Anglerszene

Das Studio von TalkSport (Quelle: TalkSport)Der Morgen ist auch in Großbritannien die wichtigste Radiozeit des Tages. Wie fast überall auf der Welt kämpft man, sobald der Hörer aus dem Bett gerollt ist, um dessen Gunst mit den lautesten, „unterhaltsamsten“ Moderatoren und gewinnträchtigsten Preisausschreiben. Doch es gibt mindestens eine Ausnahme im Vereinigten Königreich. Wenn auf TalkSport das Wochenende um sechs Uhr Morgens mit „I Wish I Was a Fisherman“ von den Waterboys beginnt, ist es Zeit für Keith Arthurs zweistündige Sendung „Fisherman’s Blues“.

Auch wenn man darüber streiten kann, ob Angeln wirklich eine Sportart ist, ist diese Sendung auf gutem Wege, Kultstatus zu erlangen. Wenn Arthur moderiert, hört man sofort, dass er nicht versucht, seine Hörer durch gespielte gute Laune am Radio zu fesseln, sondern sich vollkommen ungekünstelt gibt, schließlich geht es hier ums Thema und nicht nur um schnöde Unterhaltung.

Er ist gewissermaßen der Jürgen Domian der britischen Anglerszene, der mit ihnen per E-Mail und Telefon Geschichten und Erfahrungen rund ums Fischen austauscht – und das nicht selten noch über die Sendezeit heraus, dann off the air und persönlich per E-Mail. Keith Arthur beginnt seine Sendung zunächst mit ein paar poetischen Zeilen, die vermutlich erst ihre volle Wirkung entfalten, wenn man tatsächlich im Morgengrauen an irgendeinem See in der Pampa steht und dem ganzen auf Mittelwelle lauscht. Dann folgt sein heiteres Geschwatze über unsere schuppigen Freunde, nachdem er etwa 10 Minuten über das Wetter philosophierte. In den wunderbar-herzlichen, ruhigen Fachgesprächen wird mit Profifischern und schwer verständlichen Kauzen aus den entlegensten Anglerhütten des Königreichs geplaudert und über die Facetten des Fischens gefachsimpelt.

Auch wenn man selbst keine Angelambitionen verspürt, sollte man diese Sendung mit ihrer urigen und schlichten Atmosphäre unbedingt einmal gehört haben um zu wissen, wie heimelig und beruhigend Radio sein kann. Das einzige, an dem man sich stören könnte, sind die reißerischen Station-IDs, die ab und zu die Sendung unterbrechen und so gar nicht zu der gelassenen Art von Keith Arthur passen mögen. Doch das lässt sich zum Glück als Lappalie verbuchen. Richtig klasse klingt die Sendung natürlich auf Mittelwelle 1053 und 1089 kHz (Samstags & Sonntags 07.00-09.00 Uhr deutscher Zeit, doch auch am Computer oder MP3-Player bekommt man Lust, in einer wasserdichten Anglerhose durch den Uferschlamm zu waten oder auf einem Schiff mit Treibnetzen anzuheuern.

 

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