Kuhwelle Saar

Kühe (Muh!)

Das Saarland, das inzwischen ja wieder Teil der Bundesrepublik ist, ist für den Radiofreund und Medieninteressierten schon seit langem ein interessantes Fleckchen Erde. Mitte der 1960er Jahre entstand im Halberg-Funkhaus in Saarbrücken die legendäre Europawelle Saar, die über Mittelwelle nicht nur das Saarland, sondern weite Teile Deutschlands und Europas mit flockigem Programm entzückte. Und auch sonst ist das freundliche Land an der Saar eine interessante Region für Medienhistoriker, schließlich beherbergt man in Felsberg-Berus den stärksten Radiosender Deutschlands (und einen der stärksten Europas), nämlich Europe 1, das zu den französischen Freunden hinübersendet (auf Langwelle – ja, das gibt es auch noch).

Doch das ist nur Geschichte. Heute, im hier und jetzt, dominieren die zerebralen Implosionen von Fernsehproduktionsredakteursgehilfen viele Sendestrecken von privaten Programmveranstaltern und mit retardierten Off-Stimmen versehene Tiergartendokumentationen den Vor- und Nachmittag bei der einen oder anderen öffentlich-rechtlichen Anstalt. Hinzu kommen Symptome wie peinliche Spartenkanäle. Gibt es da niemanden, der uns durch diese grausame, ja so degoutante Fernsehwelt führt und uns Konsumenten gewissermaßen einen Pfad durch den Mediendschungel trampeln kann?

Nein, leider nicht. Aber eine KuH, die uns pro Woche einen gehörigen Fladen vor die Tür setzt.

Die KuH ist ein Akronym der Nachnamen der beiden Podcaster und Journalisten Kevin Körber und Dominik Hammes. Superwitzig. Äh, superwitzig sind die beiden, denn beide sind seit Jahren Teil der Medienwelt und das hat seine Spuren hinterlassen. Sie haben sowohl Fernseh-, Radio- als auch Onlineerfahrung und einer der beiden geht sogar ab und zu ins Kino. Damit sind in den sieben Mägen ihrer „Medien-KuH“ so gut wie alle Facetten der Massenmedien enthalten, wobei sich Hammes und Körber besonders gern dem klassischen Trash-TV hingeben, gewissermaßen als Service für ihre Zuhörer, sodass diese dann missglückte Showversuche oder grausige Vorabendmagazine nicht mehr selbst sehen müssen. Man hört einfach entspannt durch die Medien-KuH durch, die dann gewissermaßen den Pansen von Film, Funk und Fernsehen präsentiert. Doch die beiden Kühe haben auch ein gutes Händchen wenn es darum geht, künftige TV-Trends aus den Markenregistern herauszuorakeln.

„Wild Wedding“, das klingt nach einer Show für Leute die in einer Sahnetorte, in einem U-Boot neben der französischen Küste heiraten und gleichzeitig Makeup tragen wollen, das eigentlich schon in 20 Ländern verboten ist.

Dominik Hammes

 „Circus Halligalli“, das könnte die neue Show von Joko und Klaas werden.

Kevin Körber (Folge 126, sehr viele Wochen vor offizieller Bekanntgabe des Namens der neuen ProSieben-Sendung.)

Also ein irrer Podcast. Aber hören Sie doch selbst.

So klingt die „Medien-KuH“. Alle Rechte vorbehalten. Music by audionautix.com.

Doch die Medien-KuH käut auch Neuigkeiten aus der Filmbranche wieder, verleiht den „KuH des Jahres“ für besondere Verdienste in der deutschen Medienbranche, führt Interviews mit illustren Persönlichkeiten und lässt die Hörerinnen und Hörer wöchentlich beim Quotentippspiel mitmachen (das klingt weniger kurzweilig als es ist).

Kevin Körber und Dominik Hammes demonstrieren allwöchentlich, wie objektiver und ernsthafter Medienjournalismus ganz bestimmt nicht funktioniert. Anhören tut es sich jedoch angenehm ungezwungen und losgelöst von jeglichen Ernsthaftigkeiten, sodass die geballte Ladung von brandheißen Mediennews dem geneigten Zuhörer erstaunlich erträglich kredenzt wird. Das liegt auch daran, dass die beiden auch auf die technische KuHalität ihrer Podcasts achten und beide in der Lage sind, wohltuend in die Mikrofone zu muhen. So mancher Podcaster kann sich diesbezüglich eine Scheibe Filet von den beiden abschneiden.

Womit die beiden nur unbedingt aufhören müssen, sind ihre Wortspiele und ihr sehr, sehr flacher Humor. Das kann doch nun wirklich niemand witzig finden.

 

 

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