Should’ve Been A Cowboy

Dallas

Das Internet hat sehr, sehr viele tolle Dinge hervorgebracht, aber auch einige, die dem gemeinen Nutzer das Surfen auf der virtuellen Welle, das Galoppieren auf der Datenautobahn, das Klickern im World Wide Web so richtig vermiesen. Eines dieser doofen Dinge nennt sich Geoblocking. Deutschen Nutzer ist Geoblocking u.a. dadurch bekannt, dass Youtube-Videos mit musikalischen Inhalten in Deutschland gesperrt werden (Videos von und mit David Hasselhoff werden irrtümlicherweise ebenfalls dazugezählt). Schuld daran ist eben dieses Geoblocking. Wenn man im Sommerurlaub an der bulgarischen Schwarzmeerküste hingegen per WLAN im Hotel Youtube durchforstet, spielen alle Videos problemfrei, denn der Zank zwischen Youtube und der deutschen GEMA hat mit Bulgarien natürlich nichts zu tun, das Ausland ist vom Geoblocking in diesem Fall nicht betroffen. Geoblocking bezeichnet also das Sperren von bestimmten Inhalten innerhalb von gewissen geografischen Gebieten.

Im Multimediabereich sind die Rundfunkhäuser der USA ebenfalls fleißig am geoblocken. Das ist ohne Frage ihr gutes Recht – bzw. eine gute Rechtefrage, die vor allem TV-Sender mit ihren Mediatheken und Internetradiosender betrifft. Diese stellen ihre Inhalte nur Nutzern zur Verfügung, wenn sie sich innerhalb der USA bewegen. Da macht das US-Webradiohören aus Deutschland nicht besonders viel Spaß.

Doch es gibt glücklicherweise Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen ist der Countrysender 99.5 The Wolf aus Dallas, Texas. Selbst wenn man irgendwo in Norddeutschland am Schreibtisch sitzt, fühlt man sich nach wenigen Minuten des Konsums von 99.5 The Wolf wie ein Farmer, der schon seit zig Jahren im texanischen Outback Mais anbaut und in seiner Freizeit mit seinem klapprigen SUV über die natürlich immer sonnigen, staubigen Landstraßen brettert, um seine besten Freunde zu besuchen, die selbstverständlich alle Cowboys sind. Hach, das Landleben.

Das Wolfsradio startet zur europäischen Mittagszeit mit seiner Morningshow in den Tag, die neben den etwas kitschig klingenden Countrysongs, lächerlich langen, gesungenen Werbeslogans und dreister Schleichwerbung auch Klatsch und Tratsch enthält – und selbstverständlich eine Comoderatorin, die eigentlich nichts anders zu tun hat, außer den Verkehrslagebericht herunterzubeten und an den festgelegten Stellen künstlich zu kichern.

Dennoch: Unbedingt reinhören, cowboy’esques Lebensgefühl pur. Man sieht sich selbst schneller mit Cowboyhut, Tank-Top und einem stolzen Ross in der gleißenden Sonne wohlgebräunt und genau richtig muskelbepackt in Zeitlupe über einen Acker galoppieren, als es einem lieb ist. Und singt, nachdem man wieder aus diesem wundervollen Traum erwacht ist, plötzlich einen der zahlreichen Hits aus der Countryszene mit, die auf 99.5 The Wolf laufen, zum Beispiel Toby Keiths „Should’ve been a Cowboy“…

 


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