Die lekkerste Musik?

Bonaire

Dieser Webradiotipp zeichnet sich durch exotik und eine ungemein melodische Sprache aus. Es geht nach Mittelamerika und auf eine Insel: Hartelijk welkom, Willkommen auf den niederländischen Antillen! Ein Land, das es eigentlich gar nicht mehr gibt.

Paradise FM von der Insel Curaçao, die weltweit hauptsächlich für blaue Spirituosen bekannt ist, lässt sich durch nichts die gute Laune vermiesen, kein Trübsal, nur Stimmung und mal softe, mal etwas temperamentvollere Klänge (und manchmal auch echte Indie-Perlen wie Maneater von Hall and Oates). Daruntergemischt werden eigentlich unglaublich sympatische, aber auch irgendwie ekelhaft zutrauliche, anbiedernde Moderatoren.  In ihr lupenreines Niederländisch mischen sich plötzlich südamerikanische Ortsnamen und typische niederländische Jingles, gesungen von grandios ausgebildeten Stimmen, die jedem Gläsereigeschäftsführer den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Werden dann noch Veranstaltungstipps mit (tatsächlich wohl ortsüblicher) feuriger Musik unterlegt nachdem gerade das niederländische Pendant von Reinhard Mey gespielt wurde, so klingt das für den unvoreingenommenen Hörer ungefähr so, wie ein Strand an der holländischen Nordsee, wo durch exotisch bemalte Plastiksonnenschirme und hilflos verteilte, bunt leuchtende alkoholische Getränke mit Papierschirmchen und ungemein temperamentvollen lateinamerikanischen Rhythmen irgendwie fremdländisches Urlaubsfeeling aufkommen soll. Selbstverständlich klappt das nicht, dennoch bleibt die eigens aus Hannover angereiste Famile hier und vertilgt die für diesen Ferientag mitgebrachten hartgekochten Eier noch hier am Strand. Knirscht allerdings etwas, weil der frische Nordseewind Sand darauf gepustet hat. Die familieneigenen Schwimmnudeln kommen übrigens mit dem zweiten PKW nach, der noch vor Utrecht im Stau steht.

Entschuldigen Sie das kurze Abschweifen.

Man muss wohl selbst einmal auf diesen witzigen Eilanden gewesen sein, um das mittelamerikanische Ambiente mit der holländischen, ja so europäischen Sprache korrekt verbinden zu können. Drollig, diese Inseln.

In der Lokalsprache Papiamentu sendet Bon FM auf Bonaire, ein nettes Wortspiel. 48 kbps hat der Stream und wer einen gleichmäßigen Pegel präferiert, der sollte diese Station vielleicht lieber meiden. Der Nachrichtensprecher leise, im Anschluss ein ziemlich lautes Telefoninterview. Dennoch: Der Sender hat etwas uriges, spielt viel Musik aus der Region, in entsprechend ungewöhnlichen Sprachen, Sprachen die eine Mischung aus Portugiesisch, Spanisch, Holländisch und Englisch zu sein scheinen. Jingles tönen selbstgemacht, alles macht einen vielleicht etwas holprigen Eindruck, aber die ausführlichen Informationssendungen sind gespickt von O-Tönen sowie Kurzberichten und wirken deshalb informativ und so, als würde man sich mehr Mühe geben als ParadiseFM mit seiner Musikauswahl. Mangels Sprachkenntnissen konnte zumindest erstere Behauptung nicht in der Eile überprüft werden. Belassen wir die Bewertung also bei der Wirkung. Abgerundet wird dieses Programm übrigens durch die Hörerhitparade. Wenn das nichts ist.


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